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Gottesanbeterin Mantis |
| Definition:
(Die) Man|tis
- Gattung der Fangheuschrecken, darunter die so genannte Gottesanbeterin (Mantis religiosa) |
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(Alle Fotos wurden von Marco Schmitt aufgenommen)
Mehrmals
am Tag muss die Gottesanbeterin die vielen Spitzen und Kanten ihrer
Fangbeine reinigen, denn Speisereste könnten zu Pilzbefall führen, der für
Insekten äußerst gefährlich ist. Hat die Fangschrecke ein Opfer angepeilt,
schnappt die lebende Falle binnen Sekundenbruchteilen zu. Wie groß die
Beute sein darf, hängt im Regelfall von der Größe des Jägers ab - und
Gottesanbeterinnen gibt es in unterschiedlichen Größen. Dass ein kleineres
Tier einem größeren als Nahrung dient, ist in der Natur nichts
Außergewöhnliches. Dass aber große Fangschrecken nicht nur Insekten,
sondern auch Wirbeltiere erbeuten, ist erstaunlich. In Südamerika fangen
Gottesanbeterinnen sogar Kolibris, die kleinsten Vögel der Welt.
Und in den Savannen Afrikas gehen
sie auf Mäusejagd. Häutung mit Nervenkitzel Doch auch
Fangschrecken haben Feinde - sogar von Artgenossen werden sie mitunter
attackiert. Eine kleine südostasiatische Spezies vermeidet solche Attacken
mit einer Art Gebärdensprache. Boxer-Fangschrecken präsentieren
abwechselnd die farbigen Innenseiten ihrer Fangbeine, was soviel bedeutet
wie: Nicht fressen, ich bin ein Artgenosse. Die Bewegungen erinnern an
chinesische Schattenboxer, daher der
Name. Junge Fangschrecken müssen
sich besonders vor den erwachsenen Tieren in Acht nehmen, denn sie häuten
sich regelmäßig, um zu wachsen. Während dieser Prozedur, die eine halbe
Stunde und länger dauern kann, sind sie ihren Feinden
schutzlos ausgeliefert. Der neue
Panzer, der anfangs noch weich und verletzlich ist, muss in absoluter
Reglosigkeit aushärten.
Selbst nach fünfzig Millionen Jahren Evolution haben Gottesanbeterinnen keine Strategie entwickelt, um sich in dieser verletzlichen Phase zu schützen. Nur ein
paar Dutzend fossiler Gottesanbeterinnen konnten bis heute in Bernstein
konserviert gefunden werden, doch sie zeigen, dass sich das "Alien-Insekt"
in fast fünfzig Millionen Jahren kaum verändert hat.
Verehrung zu Ramses Zeiten In der Mythologie hat sie mit ihren auffälligen Verhaltensweisen schon in frühester Zeit die Menschen beeindruckt und Anlass zu den verschiedensten Fabeln gegeben. Den Namen Gottesanbeterin verdankt sie ihrer typischen Lauerstellung: Mit ihren angezogenen Fangbeinen sieht sie aus, als würde sie beten. Ihr wissenschaftlicher Name ist "Mantis", was soviel heißt wie Prophet, Wahrsager oder der Göttliche. Auch die alten Ägypter waren von der seltsam anmutenden Gottesanbeterin beeindruckt, sie galt als mystisches Wesen. Sogar im legendären Totenbuch der Ägypter wird sie erwähnt. Grafische Darstellungen des mystischen Insekts aus der damaligen Zeit sind allerdings äußerst rar. Eine fand man im Grab des berühmten Pharao Ramses des Zweiten, der Ägypten vor mehr als dreitausend Jahren regierte.
Welch hohen Stellenwert Gottenanbeterinnen in der Glaubenswelt der Ägypter hatten, zeigt ihre würdevolle Behandlung. Man mumifizierte sie nach allen Regeln der Kunst. Wie die Gottkönige selbst wurden sie in kleinen Sarkophagen bestattet, um ihnen ewiges Leben zu sichern. Im Jahr 1929 fand der Archäologe Bernard Bruyère einen kleinen Sarg aus gebranntem Nilschlamm in Theben. Als er den Sarg öffnete, zerfiel die dreitausendfünfhundert Jahre alte Insektenmumie. Alles, was davon blieb, sind ein paar historische Fotografien. Was aber hat die alten Ägypter an diesem Insekt so fasziniert? Verdammt als Hühnerschreck
Aus aller Herren Länder Die unglaubliche Formenvielfalt der Gottesanbeterinnen faszinierte Künstler und Wissenschaftler schon vor dreihundert Jahren. Sie zeichneten und malten nicht nur bunte Falter, sondern auch die filigranen und pittoresken Leiber unterschiedlichster Fangschrecken. Die ältesten Präparate von Gottesanbeterinnen sind einhundertfünfzig Jahre alt. Der Sammlerleidenschaft der Habsburger ist es zu verdanken, dass schon in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts das "Kaiserliche Naturalienkabinett" gegründet wurde. Die zoologische Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien gehört zu den umfassendsten der Welt. Mehr als vierzehntausend Präparate von Gottesanbeterinnen aus allen Erdteilen sind hier aufbewahrt.
Fangheuschrecke. Die Gottesanbeterin hat ihren Namen von ihrer Körperhaltung. Sie fängt ihre Beute mit den Vorderbeinen, die sie oft angewinkelt vor ihrem Körper hält. Das sieht dann so aus, als würde sie beten. Aussehen Der Körper der Gottesanbeterin ist 5
bis 7,5 Zentimeter lang und dünn. Am Hinterleib hat sie vier dünne Beine,
mit denen sie über Zweige und durchs Gebüsch krabbelt. Die zwei
Vorderbeine sind kräftiger und dienen als Fangbeine. Sie sind oft
zusammengefaltet und haben Dornen und Haken. An ihrem dreieckigen Kopf
fallen sofort die großen Facettenaugen auf, die seitlich am Kopf sitzen.
Damit hat sie einen guten Überblick. Zudem kann sie ihren Kopf sehr gut
drehen und so ihre Beute mit den Augen verfolgen. Die Gottesanbeterin kann
grün, gelblich oder braun gefärbt sein. Die Weibchen werden größer und
dicker als die Männchen. Beide haben als Erwachsene lange Flügel. Die
Weibchen fliegen damit aber gar nicht mehr. Die Männchen tun es sehr
selten und fliegen dann nur ganz kurze Strecken. Bei den Männchen ragen
die Flügel über den Hinterleib hinaus, bei den Weibchen nicht.
Heimat Die Gottesanbeterin lebt in bestimmten Gebieten in Mittel- und Südeuropa. In Deutschland kommt sie nur noch in Baden-Württemberg, in der Gegend um den Kaiserstuhl, vor. In Österreich leben noch einige Fangschrecken am Neusiedler See. In Südeuropa (z.B. Italien, Kroatien, Türkei) sind sie stellenweise häufig anzutreffen. Lebensraum Die Gottesanbeterin bewohnt Büsche und Sträucher, aber man findet sie auch auf dem Boden des Graslandes. Sie liebt besonders sonnige Hänge und Waldränder. Dort krabbeln die erwachsenen Tiere hauptsächlich von August bis Oktober herum.
Die Fangschrecken oder
Gottesanbeterinnen (Ordnung Mantodea) teilen sich in acht Familien mit
insgesamt rund 2150 Arten auf. Damit bilden sie unter den Insekten, die
fast eine Million Arten umfassen, nur eine sehr kleine Gruppe. Manche
Fangschrecken in den Tropen sind bunt gefärbt. Sie sehen dann manchmal aus
wie Blütenblätter. Dadurch tarnen sie sich in einer Umgebung mit vielen
Blumen gut. Einige dieser Arten können bis zu 15 Zentimeter groß werden.
Die großen Fangschrecken können auch junge Mäuse, Vögel und Eidechsen
fangen und auffressen. Lebenserwartung
Die Gottesanbeterin lebt nur ein Jahr. Die Larven, die auch Nymphen heißen, schlüpfen im Frühjahr. Die erwachsenen Tiere, die Imagines genannt werden, sterben im Spätjahr, wenn die kalte Jahreszeit beginnt. Ernährung Die Gottesanbeterin ist ein Räuber. Fliegen, Heuschrecken, Wespen, Bienen und andere kleine Insekten stehen ganz oft auf ihrem Speisezettel. Ab und zu fängt sie auch eine Spinne. Sie jagt Tiere, die kleiner sind als sie, aber auch gleich große. Manchmal frisst sie sogar Artgenossen.
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