Gottesanbeterin
Mantis
Definition: (Die) Man|tis - Gattung der Fangheuschrecken,
darunter die so genannte Gottesanbeterin (Mantis religiosa)

(Alle Fotos wurden von Marco Schmitt aufgenommen)

 
Gottesanbeterinnen / Mantis sind langgestreckte, schlanke, geflügelte Insekten, die in warm-gemäßigten und tropischen Regionen der ganzen Welt verbreitet sind. Diese Tiere machen eine unvollständige Metamorphose durch. Fangschrecken sind bekannt für ihre typische Körperhaltung: Sie sitzen auf ihren Hintergliedmaßen und halten ihr kräftiges vorderes Extremitätenpaar in einer Stellung, die an Beten erinnert; eine Art nennt man daher Gottesanbeterin. Dieses Verhalten war Ausgangspunkt zahlreicher abergläubischer Geschichten über diese Tiere. Fangschrecken warten in dieser Haltung auf Beuteinsekten. Sie sind die einzigen Insekten, die ihren Kopf von einer Seite zur anderen drehen können. Ihre Vorderbeine sind mit spitzen Dornen ausgestattet, mittels derer sie ihre Beutetiere greifen und sicher festhalten können.

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ie europäische Gottesanbeterin kommt an klimatisch günstigen Stellen wie dem Kaiserstuhl auch in Deutschland vor. Die Weibchen können eine maximale Länge von acht Zentimetern erreichen, die Männchen werden allenfalls sechs Zentimeter groß. In den USA hat man sie zur Bekämpfung von Schadinsekten eingeführt; mittlerweile ist sie im nordöstlichen Teil der Vereinigten Staaten weit verbreitet.

Systematische Einordnung: Fangschrecken bilden die Ordnung Mantodea. Die Gottesanbeterin heißt wissenschaftlich Mantis religiosa.

 

Weltweit gibt es etwa 2300 Arten von Gottesanbeter-innen, die in den tropischen Regenwäldern, aber auch in Trockengebieten rund um den Globus beheimatet sind. Die Vielfalt ihrer Maskeraden scheint grenzenlos.

 

Vorderbeine wie Klappmesser
Ihr Leben verbringen sie bevorzugt in Büschen und auf Bäumen, wobei sie abgefallenes Laub in vielen Varianten imitieren können. Sitzend oder hängend verschmelzen sie bis zur völligen Unsichtbarkeit mit dem wirren Muster des Urwaldbodens. Ihre ausgezeichnete Tarnung macht sie nicht nur zu gefährlichen Jägern, sondern schützt sie gleichzeitig vor Fressfeinden. Alle Gottesanbeterinnen der Welt haben ein Merkmal gemeinsam: Ihre furchterregenden Jagdwaffen. Die Vorderbeine arbeiten wie scharf gezahnte Klappmesser. Wenn diese kraftvollen, dornenbesetzten Fänge zupacken, gibt es kein Entrinnen.

 

Ein Insekt auf Vogeljagd

Mehrmals am Tag muss die Gottesanbeterin die vielen Spitzen und Kanten ihrer Fangbeine reinigen, denn Speisereste könnten zu Pilzbefall führen, der für Insekten äußerst gefährlich ist. Hat die Fangschrecke ein Opfer angepeilt, schnappt die lebende Falle binnen Sekundenbruchteilen zu. Wie groß die Beute sein darf, hängt im Regelfall von der Größe des Jägers ab - und Gottesanbeterinnen gibt es in unterschiedlichen Größen. Dass ein kleineres Tier einem größeren als Nahrung dient, ist in der Natur nichts Außergewöhnliches. Dass aber große Fangschrecken nicht nur Insekten, sondern auch Wirbeltiere erbeuten, ist erstaunlich. In Südamerika fangen Gottesanbeterinnen sogar Kolibris, die kleinsten Vögel der Welt. Und in den Savannen Afrikas gehen sie auf Mäusejagd.

Häutung mit Nervenkitzel

Doch auch Fangschrecken haben Feinde - sogar von Artgenossen werden sie mitunter attackiert. Eine kleine südostasiatische Spezies vermeidet solche Attacken mit einer Art Gebärdensprache. Boxer-Fangschrecken präsentieren abwechselnd die farbigen Innenseiten ihrer Fangbeine, was soviel bedeutet wie: Nicht fressen, ich bin ein Artgenosse. Die Bewegungen erinnern an chinesische Schattenboxer, daher der Name. Junge Fangschrecken müssen sich besonders vor den erwachsenen Tieren in Acht nehmen, denn sie häuten sich regelmäßig, um zu wachsen. Während dieser Prozedur, die eine halbe Stunde und länger dauern kann, sind sie ihren Feinden schutzlos ausgeliefert. Der neue Panzer, der anfangs noch weich und verletzlich ist, muss in absoluter Reglosigkeit aushärten.

Selbst nach fünfzig Millionen Jahren Evolution haben Gottesanbeterinnen keine Strategie entwickelt, um sich in dieser verletzlichen Phase zu schützen. 

Nur ein paar Dutzend fossiler Gottesanbeterinnen konnten bis heute in Bernstein konserviert gefunden werden, doch sie zeigen, dass sich das "Alien-Insekt" in fast fünfzig Millionen Jahren kaum verändert hat.

Verehrung zu Ramses Zeiten

In der Mythologie hat sie mit ihren auffälligen Verhaltensweisen schon in frühester Zeit die Menschen beeindruckt und Anlass zu den verschiedensten Fabeln gegeben. Den Namen Gottesanbeterin verdankt sie ihrer typischen Lauerstellung: Mit ihren angezogenen Fangbeinen sieht sie aus, als würde sie beten. Ihr wissenschaftlicher Name ist "Mantis", was soviel heißt wie Prophet, Wahrsager oder der Göttliche. Auch die alten Ägypter waren von der seltsam anmutenden Gottesanbeterin beeindruckt, sie galt als mystisches Wesen. Sogar im legendären Totenbuch der Ägypter wird sie erwähnt. Grafische Darstellungen des mystischen Insekts aus der damaligen Zeit sind allerdings äußerst rar. Eine fand man im Grab des berühmten Pharao Ramses des Zweiten, der Ägypten vor mehr als dreitausend Jahren regierte.

Die Insektenmumie

Welch hohen Stellenwert Gottenanbeterinnen in der Glaubenswelt der Ägypter hatten, zeigt ihre würdevolle Behandlung. Man mumifizierte sie nach allen Regeln der Kunst. Wie die Gottkönige selbst wurden sie in kleinen Sarkophagen bestattet, um ihnen ewiges Leben zu sichern. Im Jahr 1929 fand der Archäologe Bernard Bruyère einen kleinen Sarg aus gebranntem Nilschlamm in Theben. Als er den Sarg öffnete, zerfiel die dreitausendfünfhundert Jahre alte Insektenmumie. Alles, was davon blieb, sind ein paar historische Fotografien. Was aber hat die alten Ägypter an diesem Insekt so fasziniert?

Verdammt als Hühnerschreck

Doch nicht nur die alten Ägypter, auch die Römer muss dieses Insekt nachhaltig beeindruckt haben. Vor zweitausendsiebenhundert Jahren wurde in Metapons, im heutigen Süditalien, eine Silbermünze mit der Darstellung einer Gottesanbeterin geprägt. In dieser Region hält sich bis heute hartnäckig die Vorstellung, dass Gottesanbeterinnen Haustieren gefährlich werden, inbesondere Hühnern. Ihr volkstümlicher Name in Süditalien ist "Hennenwürger". Die Bauern sind überzeugt, dass die dornenbewehrten Fangbeine der Gottesanbeterin den Hals einen Huhns von innen aufschlitzen. Doch wie so oft liegen hier Wahrheit und Aberglaube weit auseinander.

Aus aller Herren Länder

Die unglaubliche Formenvielfalt der Gottesanbeterinnen faszinierte Künstler und Wissenschaftler schon vor dreihundert Jahren. Sie zeichneten und malten nicht nur bunte Falter, sondern auch die filigranen und pittoresken Leiber unterschiedlichster Fangschrecken. Die ältesten Präparate von Gottesanbeterinnen sind einhundertfünfzig Jahre alt. Der Sammlerleidenschaft der Habsburger ist es zu verdanken, dass schon in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts das "Kaiserliche Naturalienkabinett" gegründet wurde. Die zoologische Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien gehört zu den umfassendsten der Welt.

Mehr als vierzehntausend Präparate von Gottesanbeterinnen aus allen Erdteilen sind hier aufbewahrt.

 

 

 

 

Gottesanbeterin - Mantis religiosa

Fangheuschrecke. Die Gottesanbeterin hat ihren Namen von ihrer Körperhaltung. Sie fängt ihre Beute mit den Vorderbeinen, die sie oft angewinkelt vor ihrem Körper hält. Das sieht dann so aus, als würde sie beten.

Aussehen

Der Körper der Gottesanbeterin ist 5 bis 7,5 Zentimeter lang und dünn. Am Hinterleib hat sie vier dünne Beine, mit denen sie über Zweige und durchs Gebüsch krabbelt. Die zwei Vorderbeine sind kräftiger und dienen als Fangbeine. Sie sind oft zusammengefaltet und haben Dornen und Haken. An ihrem dreieckigen Kopf fallen sofort die großen Facettenaugen auf, die seitlich am Kopf sitzen. Damit hat sie einen guten Überblick. Zudem kann sie ihren Kopf sehr gut drehen und so ihre Beute mit den Augen verfolgen. Die Gottesanbeterin kann grün, gelblich oder braun gefärbt sein. Die Weibchen werden größer und dicker als die Männchen. Beide haben als Erwachsene lange Flügel. Die Weibchen fliegen damit aber gar nicht mehr. Die Männchen tun es sehr selten und fliegen dann nur ganz kurze Strecken. Bei den Männchen ragen die Flügel über den Hinterleib hinaus, bei den Weibchen nicht.

Heimat

Die Gottesanbeterin lebt in bestimmten Gebieten in Mittel- und Südeuropa. In Deutschland kommt sie nur noch in Baden-Württemberg, in der Gegend um den Kaiserstuhl, vor. In Österreich leben noch einige Fangschrecken am Neusiedler See. In Südeuropa (z.B. Italien, Kroatien, Türkei) sind sie stellenweise häufig anzutreffen.

Lebensraum

Die Gottesanbeterin bewohnt Büsche und Sträucher, aber man findet sie auch auf dem Boden des Graslandes. Sie liebt besonders sonnige Hänge und Waldränder. Dort krabbeln die erwachsenen Tiere hauptsächlich von August bis Oktober herum.

Rassen und Arten

Die Fangschrecken oder Gottesanbeterinnen (Ordnung Mantodea) teilen sich in acht Familien mit insgesamt rund 2150 Arten auf. Damit bilden sie unter den Insekten, die fast eine Million Arten umfassen, nur eine sehr kleine Gruppe. Manche Fangschrecken in den Tropen sind bunt gefärbt. Sie sehen dann manchmal aus wie Blütenblätter. Dadurch tarnen sie sich in einer Umgebung mit vielen Blumen gut. Einige dieser Arten können bis zu 15 Zentimeter groß werden. Die großen Fangschrecken können auch junge Mäuse, Vögel und Eidechsen fangen und auffressen.
Die nächsten Verwandten der Fangschrecken sind die Schaben und die Termiten. Mit ihnen zusammen bilden sie die Überordnung der Schabenähnlichen (Blattoidea).

Lebenserwartung

Die Gottesanbeterin lebt nur ein Jahr. Die Larven, die auch Nymphen heißen, schlüpfen im Frühjahr. Die erwachsenen Tiere, die Imagines genannt werden, sterben im Spätjahr, wenn die kalte Jahreszeit beginnt.

Ernährung

Die Gottesanbeterin ist ein Räuber. Fliegen, Heuschrecken, Wespen, Bienen und andere kleine Insekten stehen ganz oft auf ihrem Speisezettel. Ab und zu fängt sie auch eine Spinne. Sie jagt Tiere, die kleiner sind als sie, aber auch gleich große. Manchmal frisst sie sogar Artgenossen.  









 











 

Gottesanbeterin

Mantis religiosa

 

Alltag

Gottesanbeterinnen fliegen nicht gerne und bewegen sich meistens auch sehr langsam. Deshalb sitzen sie oft tagelang auf der selben Pflanze, manchmal sogar immer auf dem selben Zweig. Dort beobachten sie ihre Umgebung und warten auf Beute. Denn Fangschrecken sehen sehr gut.

Nachwuchs

Die Paarung kann bei den Gottesanbeterinnen vom Sommer bis in den späten Herbst stattfinden. Zur Paarung schleicht sich das Männchen von hinten an das Weibchen heran. Dann springt es auf das Weibchen und hält es an den Flügeln fest. Die Paarung dauert etwa zwei Stunden. Danach fressen die Weibchen ihre Partner häufig auf.
Später legen die Weibchen 100 bis 300 Eier in Behältern ab, die auch Kokons oder Ootheken genannt werden. Diese Behälter sind etwa 2,5 Zentimeter lang und 1,5 Zentimeter breit. Sie sehen aus wie kleine Pilze und werden oft an Blättern oder Halmen abgelegt. Die Behälter schützen die Eier vor dem Austrocknen und vor kalten Temperaturen. Denn die Eier müssen in den Kokons überwintern.

Bis die Larven im Frühjahr schlüpfen, dauert es also mindestens zwei Monate. Beim Schlüpfen durchbrechen sie die Wand der Behälter und häuten sich gleichzeitig auch zum ersten Mal. Die jungen Larven sehen aus wie kleine Ausgaben der erwachsenen Tiere. Sie bewegen sich sehr flink und gehen auch schon auf Beutefang wie ihre Eltern. Nach sechs bis sieben Häutungen (die Männchen häuten sich einmal weniger als die Weibchen) sind die Tiere erwachsen. Etwa zwei Wochen nach der letzten Häutung werden sie geschlechtsreif.

Jagd

Meist machen es sich die Fangschrecken bei der Jagd leicht. Sie sitzen, häufig mit dem Kopf nach unten, bewegungslos auf einer Pflanze und warten darauf, dass sich ein unvorsichtiges Insekt nähert. Dann klappen sie blitzschnell die gefalteten Fangbeine aus und packen das Beutetier. Dabei klappen sie die Fangbeine wie ein Taschenmesser zusammen. Weil die Fangbeine Haken und Dornen haben, können die gefangenen Insekten nicht fliehen. Die Fangschrecken lähmen ihre Beute dann mit einem Genickbiss und fressen sie auf.

Manchmal schleichen sich Gottesanbeterinnen auch ganz langsam an ihre Beute heran. Dann gehen sie wie in Zeitlupe und nähern sich dem Beutetier mit winzigen Schritten. Seltener bewegen sich Gottesanbeterinnen schnell bei der Jagd. Doch sie können auch große Sprünge machen.

 

Gottesanbeterin Mantis religiosa

Ernährung

Gottesanbeterinnen werden mit Fliegen, Heimchen, Motten oder Heuschrecken gefüttert. Das Futter kannst du dir im Sommer draußen selbst fangen. Im Winter musst du in der Zoohandlung Fliegenmaden kaufen. Wenn die Fliegen geschlüpft sind, kannst du sie deiner Fangschrecke füttern.

Haltung

Gottesanbeterinnen sind geschützt, deshalb darfst du sie nicht in der Natur fangen. Auf Insekten- und Terrarienbörsen oder beim Zoohändler werden manchmal gezüchtete Tiere angeboten. Es gibt viele verschiedene Arten von Gottesanbeterinnen. Sie brauchen alle ein eigenes Terrarium oder Gefäß, weil sich die Fangschrecken gegenseitig als Futter betrachten und fressen. Zur Haltung kannst du ein kleines Terrarium oder ein großes Glas nehmen. Einmachgläser mit einem Inhalt von 1,5 bis 2 Liter eignen sich ganz gut. Damit die Fangschrecke sich wohl fühlt, legst du am besten Zweige, Pflanzen oder Holzwolle in das Gefäß. Darauf kann die Gottesanbeterin herumkrabbeln.

Wenn du willst, dass sich deine Fangschrecken paaren, musst du sie zusammen bringen. Du kannst sie auf eine große Zimmerpflanze setzen oder auch an den Vorhang.

Pflegeplan

Gottesanbeterinnen müssen einmal am Tag mit Wasser besprüht werden. Das geht am besten mit einem Zerstäuber. Diese Behandlung ist nötig, damit die Tiere sich leichter häuten können. Wenn sie zu wenig Feuchtigkeit haben, kann es zu fehlerhaften Häutungen kommen. Danach können die Fangbeine so verformt sein, dass die Fangschrecke damit keine Beute fangen kann. Andere Fehlhäutungen führen zu verkrümmten Vorderleiben oder dazu, dass die Gottesanbeterin gar nicht ganz aus der alten Haut herauskommt.

Artenschutz

In südeuropäischen Ländern gibt es noch Stellen, an denen viele Gottesanbeterinnen leben. In Mitteleuropa ist die Gottesanbeterin allerdings so selten geworden, dass sie vom Aussterben bedroht ist. Deshalb steht sie unter Naturschutz.

www. M-Kung-Fu .de